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    Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) veröffentlicht regelmäßig Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung verschiedener Erkrankungen. Sie sollen Ärzte bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Die Empfehlungen der Leitlinien beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und haben zum Ziel sowohl die Sicherheit der Medizin zu erhöhen, als auch ökonomische Aspekte zu berücksichtigen. Die Leitlinien unterliegen verschiedenen Entwicklungsstufen, wobei die Klassifikation S3 die höchste Qualitätsstufe der Entwicklungsmethodik aufweist.

    Eine solche S3-Leitlinie wurde im Mai 2018 für Colitis ulcerosa veröffentlicht. Sie enthält Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung von Colitis ulcerosa-Patienten jeden Alters. In der neuen Leitlinie liegt der Fokus vor allem auf infektiologischen Problemen und der Ernährung.

    Infektiologische Probleme

    Als Ursache für die Colitis ulcerosa sind bisher eine Barrierestörung des Darms sowie eine Fehlregulation des Immunsystems bekannt. Die Erkrankung an sich beeinträchtigt nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht das Immunsystem. Die Anfälligkeit für Infektionen mit Viren und Bakterien entsteht durch bestimmte Medikamente, sogenannte Immunsuppressiva. Sie wirken entzündungshemmend, unterdrücken dafür aber bestimmte Bestandteile des Immunsystems. Zu solchen Immunsuppressiva gehören unter anderem Azathioprin, Mercaptopurin und Kortison.

    Ein schwerer Krankheitsverlauf und die daraus entstehende Mangelernährung verstärken den Effekt auf das Immunsystem. Weitere Risikofaktoren sind eine Kombinationstherapie aus mehreren Immunsuppressiva, Nebendiagnosen wie Diabetes mellitus, vorangegangene schwere Infektionen und ein hohes Lebensalter. Betroffene über 50 Jahren haben im Vergleich zu Patienten unter 25 Jahren ein 3-fach erhöhtes Infektionsrisiko.

    Um das Infektionsrisiko zu minimieren sollte bei der Erstdiagnose oder spätestens vor Beginn der immunsuppressiven Therapie ein Screening auf verschiedene Infektionskrankheiten, wie Hepatitis B, Tuberkulose oder Pfeiffersches Drüsenfieber erfolgen. Auch der Impfstatus sollte überprüft und bei Bedarf aktualisiert werden. Empfohlen sind die Impfungen gegen Pneumokokken, Hepatitis B und Grippe (Influenza). Während der Behandlung mit Immunsuppressiva sollten keine Lebendimpfstoffe verabreicht werden.

    CED Ernährung

    Ernährung

    Die Ernährung ist und bleibt ein Streitpunkt. Der bisher einzige Ernährungsfaktor mit nachgewiesenem positivem Einfluss auf die Colitis ulcerosa ist das Stillen und zwar mindestens 6 Monate lang. Verschiedene Untersuchungen lassen aber weitere Vermutungen zu. Demnach sollen sich tierisches Eiweiß und gesättigte Fettsäure negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken, während der Verzehr von Obst und Omega-3-Fettsäuren sowie Vitamin D eine positive Wirkung haben.

    Bei der Colitis ulcerosa geht es jedoch nicht nur darum, welche Nahrungsmittel am verträglichsten sind. Besonders bei schweren Krankheitsverläufen kann es durch die gehäuften Durchfälle und die geschädigte Darmwand zu Mangelernährung kommen. Damit ist vor allem ein Mangel an Mikronährstoffen, wie Eisen, Vitamin D, Folsäure, Zink und Selen gemeint. Dies schwächt die Betroffenen häufig stärker als die Entzündung selbst. Untersuchungen ergaben, dass 1,8% der Erwachsenen ohne Colitis ulcerosa mangelernährt sind; unter den Betroffenen sind es 7,2%. Davon sind vor allem Kinder betroffen und zwar etwa 80% aller, die an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden. Bei 15 bis 40% von ihnen beeinträchtigt die Mangelernährung das Körperwachstum. Zudem führt es – auch bei Erwachsenen – zu einem schweren Krankheitsverlauf mit gehäuften Krankenhausaufenthalten.

    Als allgemeine Empfehlung für Betroffene gilt, dass sie täglich 25 bis 30 Kalorien und 1 bis 1,5g Eiweiß pro kg Körpergewicht zu sich nehmen sollten.

    Möchten Sie mehr zu bekömmlichen Lebensmitteln und über die Gefahr der Mangelernährung bei Colitis ulcerosa erfahren? In unserem Artikel „Ernährung bei Colitis ulcerosa – Wenn der Magen knurrt, aber der Darm rebelliert“ finden Sie alle wichtigen Informationen.

    Quellenangaben

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