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    Morbus Bechterew, auch ankylosierende Spondylitis genannt, ist die zweithäufigste entzündliche rheumatische Erkrankung. Sie führt zu einer zunehmenden Versteifung der Wirbelsäule und kann damit die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken. In Deutschland sind laut Schätzungen 350.000 Menschen an Morbus Bechterew erkrankt. Dieser Wert kann aufgrund des schleichenden Erkrankungsbeginns, der die Diagnosestellung erschwert, nur geschätzt werden.

    Die Erkrankungsursache ist weitestgehend unbekannt. Sicher ist, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Der Körper bekämpft also körpereigene Zellen. Als wahrscheinlich gilt, dass ein Zusammenspiel zwischen einer Infektion der Verdauungs- oder Harnwege und einer erblichen Veranlagung die Erkrankung auslöst. Ein Großteil der an Morbus Bechterew-Erkrankten besitzt ein bestimmtes Erbmerkmal (HLA-B27). Es sind aber auch Menschen ohne diesem Merkmal betroffen.

    Wie verläuft Morbus Bechterew?

    Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 16. und 40. Lebensjahr. Sie verläuft fortschreitend in Schüben. Wie häufig und wie stark diese Schübe auftreten, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Grundsätzlich beginnt Morbus Bechterew schleichend. Aus diesem Grund dauert es von den ersten Symptomen bis zur Diagnose oft 5 bis 10 Jahre.

    Morbus Bechterew macht sich zunächst an den Kreuz-Darmbein-Gelenken bemerkbar und schreitet bei manchen Patienten auch nicht weiter fort. Ansonsten breitet sich die Erkrankung anschließend auf die Wirbelsäule aus. Dabei sind die Gelenke (Knochen, Knorpel, Kapsel), Bandscheiben, Bänder und Sehnen vom Entzündungsprozess betroffen. Durch die Entzündung der Gelenke verknöchern diese im Verlauf, sodass die Wirbelsäule im Spätstadium des Morbus Bechterew einem Bambusstab gleicht.

    Zwar ist in erster Linie die Wirbelsäule betroffen, es können aber auch weitere Gelenke beteiligt sein. Bei 40% der Betroffenen sind die Hüftgelenke befallen, bei 30% die Schulter- und/ oder Kniegelenke. In manchen Fällen sind befällt der Morbus Bechterew auch bestimmte Organe:

    • Darmtrakt: Mikroskopische Schleimhautläsionen ähnlich wie bei Morbus Crohn, diese lösen in der Regel aber keine Symptome aus.
    • Herz: z. B. Aorteninsuffizienz
    • Lunge: Selten kommt es zu einer Fibrose
    • Nieren: Nephropathie
    • Augen: Bei 25% der Betroffenen kommt es zu einer Entzündung der Gefäßhaut.

    Welche Symptome verursacht Morbus Bechterew?

    Morbus Bechterew verläuft in 3 Stadien, die sich anhand der Art und Ausprägung der Symptome unterscheiden:

    Anfangsstadium:

    • Dauert 6 Wochen bis 3 Jahre
    • Tiefe Kreuz- und Gesäßschmerzen, vor allem morgens und bei längerem Liegen mit Ausstrahlung in die Oberschenkel
    • Rückensteifigkeit beim Aufstehen
    • Die Schmerzen bessern sich bei Bewegung
    • Druckempfindlichkeit an Schlüsselbein, Rippen, Wirbeln, Darmbeinkämmen, Sitzbein, Hüfte und Fersen

    Manifestes Stadium:

    • Dauer: 10 bis 20 Jahre
    • Im Röntgenbild sind Läsionen sichtbar, sie befinden sich zu 99% an den Kreuz-Darmbein-Gelenken
    • Zunehmende schmerzhafte Bewegungseinschränkung
    • Allgemeines Krankheitsgefühl
    • Vorübergehende Verschlechterungen durch Schübe
    • Zunehmende Versteifung und Verformung der Wirbelsäule

    Spätstadium:

    • Entzündungsprozess und Verknöcherung sind zum Stillstand gekommen
    • Die Wirbelsäule gleicht einem starren Bambusstab
    • Die Vorwölbung der Lendenwirbelsäule ist aufgehoben, in der Brustwirbelsäule bildet sich ein Buckel, die Halswirbelsäule ist nach vorne geneigt
    • Durch die Versteifung des Brustkorbs ist die Brustatmung stark eingeschränkt
    • Der Bauch ist vorgewölbt
    • Beugestellung der Hüften zur Kompensation der Vorverlagerung des Körpers
    • Sturzgefährdung
    • Häufig auch versteifte Schultergelenke
    • Osteoporose führt zu häufigen Wirbelkörperfrakturen

    Wie ist die Prognose von Morbus Bechterew?

    Morbus Bechterew ist zwar nicht heilbar, mit der richtigen Therapie lässt sich der Verlauf aber entscheidend beeinflussen. So bleiben 75% der Betroffenen bis zur normalen Altersgrenze arbeitsfähig. Nur einer von 10 ist im Spätstadium auf Unterstützung im Alltag angewiesen. In der Regel beeinträchtigt Morbus Bechterew die Lebenserwartung nicht, außer wenn eine Organbeteiligung vorliegt. Beginnt die Erkrankung vor dem 16. Lebensjahr ist mit einem schwereren Verlauf zu rechnen.

    Quellenangaben

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