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    Jährlich erleiden ca. 260.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Das Durchschnittsalter bei Männern beträgt etwa 70 Jahre, bei Frauen etwa 75 Jahre. Aber auch junge Menschen können von einem Schlaganfall betroffen sein. Dieser sog. “juvenile Schlaganfall” tritt mittlerweile bei fast jedem zehnten Deutschen zwischen 18 und 50 Jahre auf. Ursache dabei ist häufig ein ungesunder Lebensstil.

    Was versteht man unter einem Schlaganfall?

    Der Schlaganfall, auch Apoplex oder Hirnschlag genannt, ist eine plötzliche Durchblutungsstörung eines Abschnitts im Gehirn, oft in Verbindung mit schweren neurologischen Ausfällen, wie Körper-, Gesichtslähmungen oder Sprachausfälle. Es kann jedoch auch vorkommen, dass der Schlaganfall unbemerkt bleibt. Die Symptome hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

    Der Vorbote des Schlaganfalls: Die TIA

    Die Transitorische ischämische Attacke (TIA) wiederum gilt als Vorbote eines Schlaganfalls. Sie wird auch als kleiner oder Mini-Schlaganfall bezeichnet. Ungefähr 40 % aller Schlaganfallpatienten haben zuvor eine TIA erlitten. Diese kurzzeitige Attacke hat die gleichen Symptome wie ein richtiger Schlaganfall. Ursachen sind häufig eine Arterienverkalkung oder ein Blutpfropf, der kurzzeitig ein kleines Hirngefäß verstopft.
    Der einzige Unterschied zu einem Schlaganfall ist die Dauer. Wenn die Beschwerden weniger als 24 Stunden andauern, spricht man von einer TIA.

    Die TIA ist zwar nicht mit einem Schlaganfall gleichzusetzen, sie gilt dennoch als medizinischer Notfall.

    Welche Arten eines Schlaganfalls gibt es?

    Es gibt zwei verschiedene Formen, die unterschiedliche Beschwerden verursachen.

    • Hirninfarkt (unblutiger ischämischer Schlaganfall):
      • Durch eine Minderdurchblutung oder einen vollständigen Durchblutungsausfall entsteht ein Gefäßverschluss. Meist sind die Gefäßwände vorgeschädigt, verhärtet oder durch Ablagerungen verengt.
      • Verschluss einer Arterie durch einen Blutpfropf: Dieser Pfropf (auch Thrombus genannt) kann sich am Herzen oder in den großen hirnversorgenden Gefäßen, wie der Halsschlagader, bilden. Der Thrombus kann sich lösen und mit dem Blutstrom in die Hirngefäße gelangen. Dieser Vorgang nennt sich Thromboembolie.
      • Weiter kann es zu einem Verschluss einer Hirnarterie aufgrund einer Gefäßverkalkung kommen. Die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) tritt direkt an den Hirngefäßen oder den hirnversorgenden Halsgefäßen auf und führt zu Einengungen oder Verschlüssen der Gefäße. Von diesen Gefäßverschlüssen sind meistens die großen Hals- oder Hirnarterien betroffen.
        Die Folge: größere Hirnareale werden nicht mehr ausreichend durchblutet.
    • Hirnblutung (blutiger hämorrhagischer Schlaganfall):
      • Von einer Hirnblutung spricht man, wenn ein Gefäß im Gehirn platzt und somit bestimmte Hirnareale nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden (Hämorrhagie: Das Austreten von Blut aus dem Blutkreislauf). Bei einer Hirnblutung tritt Blut unter hohem Druck aus dem geplatzten Gefäß in das umliegende Hirngewebe. Dies ist meist durch eine Arterienverkalkung vorgeschädigt.
      • Ursächlich für diese Hirnblutung ist unter anderem ein unbehandelter oder unbemerkter Bluthochdruck oder ein plötzlicher Riss in einem Blutgefäß.

    Was sind mögliche Folgen eines Schlaganfalls?

    Die Folgen bei einem Schlaganfall können bei jedem Betroffenen unterschiedlich sein. Welche Beeinträchtigungen der Patient hat, kann man in den ersten Tagen bis Wochen noch nicht genau abschätzen.
    Mögliche Folgen und bleibende Beeinträchtigungen wären beispielsweise:

    • Körperliche Behinderungen mit unterschiedlichem Schweregrad.
      Art und Ausprägung hängt davon ab, welcher Bereich des Gehirns wie stark betroffen ist, außerdem ist wichtig, wie schnell die Durchblutung der betroffenen Hirnregion durch eine Behandlung wieder hergestellt wird. Mögliche Folgen:
      • Sprachstörungen oder Sprachverlust, falls die linke Gehirnhälfte betroffen ist.
      • Bei einem Schlaganfall in der rechten Gehirnhälfte kann es zu Orientierungsstörungen sowie zu Einschränkungen der räumlichen Wahrnehmung kommen.
      • Eine zurückbleibende Lähmung im Gesichtsbereich, Armen oder Beinen.
    • Beeinträchtigungen der geistigen Fähigkeiten oder Persönlichkeitsstörungen.  Am häufigsten ist jedoch die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung während und nach eines Schlaganfalls gestört. Der Betroffene kann auch leichter an einer Depression erkranken.

    Bei einem schweren Schlaganfall können die Betroffenen zusätzlich an einer Embolie, Thrombose oder einer Lungenentzündung erkranken. Dies sind jedoch nur indirekte Folgen eines Hirnschlags, da der Körper und das Immunsystem sind nach einem Schlaganfall stark geschwächt sind. Daher können leichte Infekte oftmals lebensbedrohlich werden.

    Zeit spielt bei der Behandlung eine große Rolle, um Beeinträchtigungen und Funktionsausfälle schnell entgegenzuwirken. So muss ein Schlaganfall keineswegs eine dauerhafte Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit bedeuten.

    Schlaganfall

    Welche Risikofaktoren gibt es und welche Symptome hat ein Schlaganfall?

    Warum sind häufiger Frauen von einem Schlaganfall betroffen?

    Frauen sind aufgrund ihrer genetischen Veranlagung häufiger von einem Schlaganfall betroffen als Männer. Auch sind die Folgeschäden bei Frauen gravierender als bei den Männern. Zum Beispiel werden Frauen häufiger in Folge eines Schlaganfalls pflegebedürftig. Dafür gibt es einige Risikofaktoren:

    • Hormonelle Verhütungsmittel können die Entstehung eines Blutgerinnsels steigern (u.a. die Anti-Baby-Pille)
    • Schwangerschaft bei jungen Frauen, weil sich die Blutgerinnung in der Schwangerschaft verändert
    • Bei Frauen besteht auch ein größerer Zusammenhang zwischen Migräne mit Seh-und Empfindungsstörungen und Schlaganfall.

    Die Kombination aus der Einnahme der Anti-Baby-Pille mit anderen Risikofaktoren, wie Rauchen und Migräne verzehnfacht das Risiko an einem Schlaganfall zu erkranken.

    Wie erkenne ich einen Schlaganfall?

    Die Symptome können unterschiedlich sein. Nicht immer kommt ein Schlaganfall aus dem Nichts. Verschiedene Warnsignale können darauf hindeuten.

    • Lähmung oder Schwäche eines Armes oder Beines (Halbseitenlähmung)
    • Lähmung einer Gesichtshälfte
    • Sprachstörungen, oft in Verbindung mit einer Lähmung der rechten Körperhälfte
    • Sehstörungen, z.B. Sehen von Doppelbildern oder kompletter Sehverlust
    • Übelkeit, Erbrechen bis hin zur Bewusstlosigkeit
    • Drehschwindel mit Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen
    • Ungewöhnlich schnell auftretende, heftige Kopfschmerzen

    Verdacht auf Schlaganfall? Machen Sie den FAST-Test!

    F (Face): Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln.

    A (Arms): Fordern Sie den Betroffenen auf, beide Arme zu heben.

    S (Speech): Sagen Sie einen einfachen Satz. Der Betroffene soll diesen wiederholen.

    T (Time): Wenn der Betroffene bei der Ausführung der einzelnen Aufgaben Probleme hat, wählen Sie umgehend die 112.

    Bei Auffälligkeiten sollten Sie sofort einen Arzt hinzuziehen. Dieser wird dann Blutdruck, Puls und die Sauerstoffsättigung messen. Weiter werden die Laborwerte untersucht und ein EKG durchgeführt, um die Herzfunktion zu überprüfen. Ebenso wird die Beweglichkeit, Empfindungsfähigkeit, die Reflexe und die Bewusstseinslage des Betroffenen überwacht. Auch ein CT, MRT und ein Ultraschall sollten zeitnah durchgeführt werden, um mögliche Blutungen im Gehirn bzw. Gefäßverschlüsse festzustellen oder auszuschließen.  

    Wie wird ein Schlaganfall behandelt?

    Die Therapie bei einem Schlaganfall ist von der Form und dem Schweregrad des Schlaganfalls abhängig.

    Behandlung eines ischämischen Schlaganfalls:

    Hier geht es darum, die Durchblutung des betroffenen Gehirnbereiches wiederherzustellen. Eine mögliche Behandlung dafür ist die systematische Thrombolyse (Auflösen des Gerinnsels mittels Medikamenten). Diese Therapie sollte innerhalb von weniger als 4-5 Stunden nach Auftreten des Schlaganfalls erfolgen. Durch Verabreichung eines blutgerinnungsauflösenden Mittels über die Vene versucht man, das Blutgerinnsel, dass zum Gefäßverschluss geführt hat, aufzulösen. Liegt dem Schlaganfall eine Hirnblutung zugrunde, kann diese Therapie jedoch nicht angewandt werden.
    Wenn ein sehr großes Hirngefäß verstopft ist, kann auch die mechanische Thrombektomie als Behandlungsmethode in Frage kommen. Dabei wird ein dünner Katheter durch das Gefäß zum Gefäßverschluss geführt. Mit Hilfe des Katheters wird das Blutgerinnsel abgesaugt und somit entfernt. Folgeschäden, z.B. eine Behinderung können somit vermieden werden.

    Die Stroke-Leitlinien empfehlen in bestimmten Fällen eine Kombination aus Thrombolyse mit einem blutgerinnenden Medikament und der mechanischen Methode mittels Katheter.

    Behandlung eines hämorrhagischen Schlaganfalls:

    Hier gibt es zwei primäre Ziele. Die Blutung soll gestoppt werden und negative Folgen für den Betroffenen vermieden werden. Denn wenn Blut aus den Gefäßen in das Hirngewebe austritt, verdrängt das Blutgerinnsel das umliegende Gewebe; Druck entsteht. Die Folge ist, dass gesunde Teile des Gehirns geschädigt werden. Dies kann zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Weiter schädigen die Stoffe aus dem Blut die Gehirnzellen. In diesen Fällen ist oftmals eine Operation notwendig, um die größeren Blutungen zu stoppen. Um den Druck im Gehirn zu reduzieren, wird mit Hilfe eines Schlauchs das Blut aus dem Hirngewebe abgeleitet.

    Anschlussheilbehandlung:

    Nach dem Krankenhausaufenthalt erfolgt in der Regel eine Rehabilitation in einer entsprechenden Rehabilitationsklinik. Dort erhalten die Patienten eine umfassende Therapie aus Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie und andere Behandlungen. Diese werden durch geschultes Personal durchgeführt. Diese Behandlungen sollen dabei helfen, Defizite wieder auszugleichen, die durch den Schlaganfall entstanden sind. Weiter sollen die Betroffenen geschult werden, mit Ihren bleibenden Einschränkungen im Alltag zurecht zu kommen.

    Was ist eine Stroke Unit?

    Eine Stroke Unit ist eine spezialisierte Abteilung, meist in Universitätskliniken. Sie ist spezialisiert auf Schlaganfälle mit der Möglichkeit einer umfassenden Betreuung und Intensivbehandlung der Patienten. Das Team einer Stroke Unit besteht aus einem besonders geschulten Ärzte- und Pflegeteam. Diese arbeiten Hand in Hand mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Sozialarbeitern zusammen.    

    Was sind die Aufgaben der Stroke Unit?

    • Eine schnelle Diagnostik, um anschließend eine gezielte Therapie durchführen zu können.
    • Der Patient wird an einem Monitor angeschlossen (Monitoring), um Blutdruck, Herzfunktionen, Sauerstoffgehalt im Blut, Blutzucker, Körpertemperatur u.s.w. zu in regelmäßigen Abständen zu überprüfen
    • Therapie mit Medikamenten und die Überwachung der Nebenwirkungen sind eine weitere Aufgabe der Stroke Unit.
    • Eine Frühreha des Patienten durch das Pflegeteam, den Physio-, Ergotherapeuten und Logopäden ist eine der wichtigsten Aufgaben im Bereich  der Stroke Unit.

    Eine Stroke Unit hilft, den Betroffenen von der Akutbehandlung bis hin zu Leistungen im Bereich des Sozialdienstes schnell zurück in den Alltag zu führen.

    Quellenangaben

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