Ethik in der klinischen Forschung


Die klinische Erforschung neuer Therapien unter Einbeziehung von Menschen ist ein bereits aus der Antike bekanntes Konzept. Ein Überblick über die Entwicklung der ethischen Richtlinien für Humanexperimenten haben wir für Sie zusammengefasst.


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Arzt stellt ethische Frage zu klinischer Studie

In der westlichen Zivilisation ist bereits seit über 2000 Jahren die Einbeziehung von Menschen in die Erforschung neuer Therapien belegt. Zeitgleich wurde die herausragende Bedeutung von ethischen Rahmenbedingungen erkannt.


Hippokrates und seine Grundsätze der Ethik

Diese wurden unter anderem durch den griechischen Arzt Hippokrates, den bekanntesten Arzt der Antike, formuliert und sind bis heute praktisch unverändert Grundlage der klinischen Forschung. Die vier grundlegenden von Hippokrates formulierten ethischen Grundprinzipien lauten:

  • Autonomie: Anerkennung der Autonomie des Teilnehmers oder dessen Vertreters
  • Fürsorge: Jede Handlung im Zusammenhang mit der Studie erfolgt zum Wohle des Teilnehmers
  • Schadensvermeidung: Schäden für den Teilnehmer sind, soweit irgendwie möglich, zu vermeiden
  • Gleichheit und Gerechtigkeit: Alle Teilnehmer sind gleich und gerecht zu behandeln

Erste Impfung für den Menschen

Im 18. Jahrhundert erkannte der englische Landarzt Edward Jenner, dass die Injektion von für den Menschen verhältnismäßig ungefährlichen Kuhpocken einer herkömmlichen Pockeninfektion vorbeugend wirkt. Die Verfahren, denen er die Entdeckung der Schutzimpfung verdankte, waren jedoch nach heutigen Maßstäben alles andere als ethisch korrekt. Die Teilnehmer wussten nur unzureichend, welche Behandlung sie erwartete und wie sicher das Verfahren einzuschätzen sei.

Der Franzose Louis Pasteur erkannte im 19. Jahrhundert die Notwendigkeit, Impfstoffe vor der Anwendung am Menschen umfangreich an Tieren zu erproben. 1885 verabreichte er in Paris den ersten Impfstoff an Menschen, eine Schutzimpfung gegen Tollwut.


Große Fortschritte im 20. Jahrhundert

Durch den rasanten technischen Fortschritt eröffneten sich im Laufe des 20. Jahrhunderts vielfältige Möglichkeiten in der medizinischen Forschung. Aufgrund der sehr eingeschränkten rechtlichen Regelungen kam es immer wieder auch zu unethischen Experimenten, sowohl vor, während als auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Insbesondere die öffentlichkeitswirksame Contergan-Affäre 1961 sensibilisierte die Allgemeinheit und auch nationale sowie internationale Institutionen für die Notwendigkeit von allgemeingültigen Ethikstandards.

Die Vereinten Nationen (UN) sowie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) formulierten im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg grundlegende Ethikrichtlinien. In diesen wurde insbesondere die Priorisierung des Wohls einzelner Patienten gegenüber dem Interesse der Patienten als Gesamtheit festgelegt.

1964 entwickelte der Weltärztebund (WMA) die bis heute laufend aktualisierte Deklaration von Helsinki als Leitwerk für in der Medizin am Menschen forschende Ärzte.

In der Folge wurde die Position der Patienten in der klinischen Forschung stetig gestärkt. Insbesondere durch die deutlich umfangreichere öffentliche Wahrnehmung und die einflussreichen Patientenverbände wird das Wohl der Patienten heute geschützt wie nie zuvor. Die Prüfpläne klinischer Studien müssen durch Fach- und Ethikkommissionen freigegeben sowie öffentlich einsehbar gemacht werden. Durch diese Maßnahmen wird ein stabiles Autoritätsgleichgewicht gewährleistet und die Autonomie des Patienten aufgewertet.


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Quellenangaben

veröffentlicht am 11.11.2016 | verfasst vom Redaktionsteam