Chronische Polyarthritis – Was das bedeutet und was dagegen hilft


Chronische Polyarthritis ist eine Gelenkerkrankung, die zwar immer noch Rätsel aufwirft, aber immer besser zu behandeln ist. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige zu dieser Erkrankung!


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Frau mit chronischer Polyarthritis

Als chronische Polyarthritis wird eine Autoimmunerkrankung bezeichnet, durch die sich die Gelenkinnenhaut mehrerer Gelenke entzündet.

Etwa 1% der Bevölkerung leidet an chronischer Polyarthritis, Frauen dreimal so häufig wie Männer.

Grundsätzlich kann eine chronische Polyarthritis in jedem Alter auftreten, meistens betrifft sie jedoch Menschen zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr. Chronische Polyarthritis ist auch unter dem Namen rheumatoide Arthritis bekannt.


Ursachen der chronischen Polyarthritis

Was diese Autoimmunerkrankung auslöst ist bisher leider noch unklar. Bislang konnte lediglich belegt werden, dass eine erbliche Veranlagung eine Rolle bei der Erkrankung an chronischer Polyarthritis spielt. Außerdem haben Untersuchungen ergeben, dass bei vielen von chronischer Polyarthritis Betroffenen Rauchen ein Auslöser war. Rauchen erschwert zudem den Krankheitsverlauf der chronischen Polyarthritis und verschlechtert die Behandlungschancen.


Unterschiede im Verlauf einer chronischen Polyarthritis

Wird die chronische Polyarthritis nicht behandelt, verläuft Sie bei Jedem sehr unterschiedlich, häufig aber in Schüben. Typischerweise leiden Betroffene dann unter Schmerzen und Schwellungen mehrerer Gelenke. Besonders morgens fühlen sich die von chronischer Polyarthritis Betroffenen steif und bewegungseingeschränkt. Diese Morgensteifigkeit hält 30 Minuten bis mehrere Stunden an. Wenn sich auch die Schleimbeutel und Sehnenscheiden durch die chronische Polyarthritis entzünden, sind Schmerz und Bewegungseinschränkung noch stärker ausgeprägt.

Im Schub haben viele von chronischer Polyarthritis Betroffene ein starkes Krankheitsgefühl mit Fieber, Nachtschweiß, Müdigkeit, Leistungsschwäche und Gewichtsabnahme. Außerdem bilden sich bei 20% der Betroffenen sogenannte Rheumaknoten, besonders an den Ellenbogen und Fingern.

Im Verlauf der chronischen Polyarthritis wird der Gelenkknorpel immer weiter zerstört, wodurch die Gelenke immer schlechter beweglich werden. So werden alltägliche Bewegungen für die Betroffenen zur Herausforderung, wie z.B. Schuhe binden oder Besteck halten. Neben den Schmerzen und der eingeschränkten Beweglichkeit birgt chronische Polyarthritis die Gefahr, weitere Organe, wie Augen, Herz, Lunge, Nerven und Blutgefäße zu schädigen. So entstehende Folgeerkrankungen können unbehandelt die Lebenserwartung um 3 bis 13 Jahre reduzieren.

Die chronische Polyarthritis ist also unbedingt schon im frühen Stadium ernst zu nehmen und zu behandeln! Bei einem Behandlungsbeginn innerhalb der ersten 3 Monate, kann der Krankheitsverlauf der chronischen Polyarthritis am besten beeinflusst werden.


Woran kann ich erkennen, ob sich eine chronische Polyarthritis entwickelt hat?

  • Chronische Polyarthritis beginnt meist plötzlich und betrifft zuerst die kleinen Finger- und Zehengelenke
  • Druckschmerz in den Finger- und Zehengrundgelenken kann ein erstes Warnzeichen für chronische Polyarthritis sein, also z. B. Schmerzen beim Händedruck
  • Im Laufe von Wochen oder Monaten sind immer mehr Gelenke betroffen

Haben Sie den Verdacht an chronischer Polyarthritis zu leiden, hat der Arzt verschiedene Möglichkeiten der Diagnostik:

  • Untersuchung des Blutes auf bestimmte Rheumafaktoren, Entzündungsmarker und Antikörper gegen spezifische Eiweiße
  • Röntgenbild zur Beurteilung der Knochenschädigung
  • Im Ultraschall können Schädigungen des Gewebes, wie Gelenkergüsse, sichtbar gemacht werden
  • Besteht der Verdacht, dass die chronische Polyarthritis auch die Halswirbelsäule betrifft, wird ein MRT gemacht (Magnetresonanztomographie)

Was kann man als Betroffener tun?

Was die Behandlung von chronischer Polyarthritis angeht, hat es in den letzten Jahren große Fortschritte gegeben. Die modernen Rheumamedikamente können nicht nur die Symptome lindern, sondern auch den Krankheitsverlauf der chronischen Polyarthritis beeinflussen und die Lebenserwartung deutlich anheben. Dazu gehören folgende Medikamente:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (= ohne Kortison): Wirken gegen die Entzündung und lindern den Schmerz, z. B. Ibuprofen, Diclofenac.
  • Eine magenverträglichere Alternative sind Coxibe (COX-2-Hemmer).
  • Basismedikamente: Wirken langfristig gegen die Entzündung und die Gelenkzerstörung durch die chronische Polyarthritis. Weltweit am häufigsten verwendet wird Methotrexat (MTX). Biologika sind relativ neu und wirken gezielt gegen die entzündungsfördernden Zellen des Immunsystems und unterdrücken somit die chronische Polyarthritis.
  • Die Basismedikamente werden zur besseren Wirksamkeit häufig mit niedrig dosiertem Kortison kombiniert, was entzündungshemmend wirkt.

Arztgespräch bei chronischer Polyarthritis

Zusätzlich zur medikamentösen Therapie der chronischen Polyarthritis gibt es folgende Behandlungsmöglichkeiten, die die Lebensqualität der Betroffenen verbessern:

  • Physiotherapeutische Übungen helfen die Gelenkfunktion weitestgehend zu erhalten und die Muskeln zu stärken. Zur Schmerzlinderung können Kälteanwendungen und Elektrotherapie eingesetzt werden.
  • Ergotherapeuten unterstützen von chronischer Polyarthritis Betroffene nicht nur bei der Versorgung mit Hilfsmitteln, sondern geben auch Tipps zur richtigen Be- und Entlastung der betroffenen Gelenke.
  • Orthopädische Hilfsmittel wie Einlagen, Gehstützen, Schienen usw. erleichtern den Betroffenen den Alltag.
  • Operationen können in schweren Fällen chronischer Polyarthritis angeraten sein. Die entzündete Gelenkhaut kann entfernt oder verödet werden. Als letzter Ausweg kann eine Gelenkprothese die Leiden der Betroffenen lindern.
  • Psychologische Therapie ist leider noch oft ein Tabu-Thema. Wenn die chronische Polyarthritis aber das Privat- und Berufsleben stark beeinträchtigt, ist Unterstützung bei der Krankheits- und Schmerzbewältigung Gold wert.
  • Ernährung ist immer ein wichtiges Thema, aber vor allem als von chronischer Polyarthritis Betroffener kann man sich mit der richtigen Ernährung etwas Gutes tun. Greifen Sie zu entzündungshemmenden Lebensmitteln, wie Fisch-, Soja-, Weizen-, Raps-, und Nachtkerzenöl oder schwarzen Johannisbeeren. Meiden oder reduzieren Sie hingegen Lebensmittel mit entzündungsfördernden Inhaltsstoffen. Dazu gehören Fleisch und Milchprodukte. Zudem ist eine gesunde Ernährung wichtig, um gelenkbelastendem Übergewicht vorzubeugen oder es zu reduzieren.

Damit chronische Polyarthritis den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen nicht zu stark einschränkt, werden die Behandlungsmöglichkeiten immer weiter verbessern. Vielleicht können Sie als Betroffener von neuen Behandlungsmöglichkeiten einer Studie profitieren und die medizinische Entwicklung im Kampf gegen chronische Polyarthritis mit vorantreiben.


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Quellenangaben

veröffentlicht am 10.08.2017 | verfasst vom Redaktionsteam