Hämatologie – Von Blutarmut bis Blutkrebs


Die Hämatologie ist ein wichtiges Teilgebiet der Medizin. Hämatologische Erkrankungen sind zum großen Teil bösartige Krebserkrankungen. Welche dazu gehören und was sie voneinander unterscheidet, erfahren Sie hier.


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Blutproben in der Hämatologie

Die Hämatologie befasst sich mit sowohl gut- als auch bösartigen Erkrankungen des Blutes und der blutbildenden Organe, sowie der Lymphknoten und des lymphatischen Systems. Zu ihnen gehören Blutbildstörungen, Blutveränderungen durch immunologische Prozesse, Störungen der Blutstillung und -gerinnung sowie Krebserkrankungen. Die wichtigsten Formen von Blutkrebs haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.


Leukämie

Sie ist die wohl bekannteste Erkrankung der Hämatologie. Leukämie lässt sich als „weißes Blut“ übersetzen. Das kommt daher, dass sich bei Betroffenen teilweise extrem viele weiße Blutkörperchen (Leukozyten) finden.

Alle Blutzellen entwickeln sich aus einer blutbildenden Stammzelle im Knochenmark. An jedem Punkt des Entwicklungsprozesses kann eine Blutzelle entarten, also bösartig werden. Ist der Entwicklungsprozess der weißen Blutkörperchen unterbrochen, entstehen unreife Zellen. Diese sind zum einen nicht funktionsfähig. Zum anderen vermehren sie sich sehr schnell und unkontrolliert und beeinträchtigen somit die normale Blutbildung im Knochenmark. Die Folge: Es können immer weniger gesunde Blutzellen gebildet werden. Das führt dazu, dass Betroffene an allgemeiner Schwäche, Infektanfälligkeit und erhöhter Blutungsneigung leiden.

Im Vergleich zu anderen Krebsarten tritt Leukämie relativ selten auf. Bei Frauen macht sie 2,7% aller Tumorerkrankungen aus, bei Männern 3,1%. Je nach Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs wird sie in akut oder chronisch unterteilt. Eine weitere Unterteilung erfolgt nach dem Zelltyp, von dem sie ausgeht: myeloisch (Vorläuferzelle der Granulozyten) oder lymphatisch (Vorläuferzelle der Lymphozyten).  So werden 4 verschiedene Leukämien unterschieden:


Akute Leukämien (AL)


Sie entwickeln sich rasch mit schweren Krankheitssymptomen wie Fieber und müssen sofort behandelt werden.

  • Akute lymphatische Leukämie (ALL)
    • Neuerkrankungsrate: 1,5 pro 100.000 Einwohner jährlich
    • Tritt überwiegend im Kindesalter auf
  • Akute myeloische Leukämie (AML)
    • Neuerkrankungsrate: 3,7 pro 100.000 Einwohner jährlich
    • Überwiegend im Erwachsenenalter

Chronische Leukämien


Sie entwickeln sich schleichend und schreiten relativ langsam fort. Dadurch bleiben sie oft lange Zeit unbemerkt.

Chronische myeloische Leukämie (CML)
  • Neuerkrankungsrate: 2 pro 100.000 Einwohner jährlich
  • Kann in jedem Alter auftreten, meist zwischen dem 50.- 60. Lebensjahr
Chronische lymphatische Leukämie (CLL)
  • Neuerkrankungsrate: 4 pro 100.000 Einwohner jährlich
  • Tritt meist ab dem 50. Lebensjahr auf

Myeloproliferative Neoplasien (MPN)

Die myeloproliferativen Neoplasien gehören mit einer Neuerkrankungsrate von 1-2 pro 100.000 Einwohner jährlich zu den seltenen Erkrankungen der Hämatologie. Es sind bösartige Erkrankungen der blutbildenden Zellen im Knochenmark. Dabei werden zu viele Blutplättchen, rote und/ oder weiße Blutkörperchen gebildet. Diese Zellen sind zwar funktionsfähig, aber durch ihre großen Mengen kommt es z. B. zu Blutgerinnseln, Gefäßverschlüssen oder einer erhöhten Blutungsneigung. Diese hämatologischen Erkrankungen sind chronisch, aber durch eine Stammzelltransplantation heilbar. Sie treten in den meisten Fällen erst ab dem 60. Lebensjahr auf. Ihre Symptome entwickeln sich langsam. Am häufigsten treten die Folgenden auf:

  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Durchblutungsstörungen der Hände und Füße
  • erhöhte Blutungsneigung
  • Vergrößerung der Milz

Die häufigsten Formen der myeloproliferativen Neoplasien sind die

  • essentielle Thrombozythämie (ET),
  • Polycythaemia vera (PV),
  • primäre Myelofibrose (PMF),
  • und die chronische myeloische Leukämie (CML).

Krebs Bakterien und Blutzellen

Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin)

Die Bezeichnung malignes Lymphom lässt sich als „bösartige Lymphknotengeschwulst“ übersetzen und umfasst bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems. Sie gehen mit einer Schwellung der Lymphknoten und allgemeinen Krankheitssymptomen, wie Fieber und Leistungsschwäche einher. Diese hämatologischen Erkrankungen werden unterteilt in das Hodgkin- Lymphom und die Non-Hodgkin-Lymphome:

Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin)

  • Zu Beginn sind ausschließlich Lymphknoten betroffen, später Ausweitung auf z. B. Knochenmark und Leber.
  • Neuerkrankungsrate: 3 pro 100.000 Einwohner jährlich, dabei mehr Männer als Frauen (Verhältnis 3:2).
  • Es gibt 2 Häufigkeitsgipfel in Europa und den USA: Um das 30. und um das 60. Lebensjahr.
  • Unbehandelt ist Morbus Hodgkin tödlich, es gibt heutzutage aber gute Heilungschancen.
Non-Hodgkin-Lymphome (NHL)

  • Neuerkrankungsrate: 10-12 pro 100.000 Einwohner jährlich – mit steigender Häufigkeit. Männer erkranken häufiger als Frauen (Verhältnis 3:2).
  • Häufigkeitsgipfel im höheren Lebensalter.
  • Eine Unterscheidung vom M. Hodgkin ist nur durch eine feingewebliche Untersuchung des befallenen Gewebes möglich.

Multiples Myelom

Das multiple Myelom ist die häufigste Tumorerkrankung des Knochenmarks und der Knochen. Es tritt meist zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr auf. Jedes Jahr kommen 5 Fälle pro 100.000 Einwohner hinzu. 20% von ihnen zeigen keinerlei Symptome. Der andere Teil leidet an Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust. Im Verlauf können weitere Symptome und Komplikationen hinzukommen, wie z. B.:

  • Blutarmut (Anämie)
  • Infektanfälligkeit
  • Bei Befall der Knochen: Osteoporose, Wirbelkörperfrakturen
  • Bestimmte Ablagerung in den Nieren führen bei 50% zur Niereninsuffizienz

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Quellenangaben

veröffentlicht am 20.04.2018 | verfasst vom Redaktionsteam