Lymphdrainage – Eine Physiotherapeutin klärt auf


Die Manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine physiotherapeutische Behandlung zur Entstauung von geschwollenem Gewebe (Ödem). Doch was genau findet da statt und wieso?


Finden Sie die passende klinische Studie für sich
Behandlung von Lymphdrainage

Was ist eigentlich das lymphatische System?

Das lymphatische System ist Teil des Immunsystems und dient dem Flüssigkeitstransport. Es besteht aus den lymphatischen Organen und den Lymphgefäßen. Diese ziehen sich wie Blutgefäße durch den Körper, treffen sich an verschiedenen Stellen in Lymphknoten und münden nahe dem Herzen ins venöse Blutsystem. Sie transportieren täglich 2 bis 3 Liter Lymphe, bestehend aus Gewebsflüssigkeit, die nicht in die Blutbahn aufgenommen wird. Gewebsflüssigkeit ist Wasser mit darin gelösten Proteinen (Eiweiße) und anderen großen Molekülen sowie bestimmten Nährstoffen. Die lymphatischen Organe bilden Lymphozyten, die Krankheitserreger bekämpfen. Diese Lymphozyten werden zusammen mit Abfallprodukten des Stoffwechsels, Krankheitserregern, Bakterien und Fremdkörpern mit Hilfe der Lymphe zu den Lymphknoten transportiert, wo diese Bestandteile herausgefiltert werden. Dieser Transport findet zum einen passiv durch Bewegungen der Extremitäten und andere Kompressionen von außen statt, zum anderen aktiv durch eigene Kontraktionen der Gefäße.


Was stört das lymphatische System?

1. Auf eine erhöhte lymphpflichtige Last reagiert der Körper zunächst mit einer Erhöhung der Transportleistung. Bei zu hohen Volumenbelastungen, z. B. durch eine Rechtsherzinsuffizienz oder eine Nierenschädigung, ist diese Reserve irgendwann ausgeschöpft. Es verbleibt vermehrt Flüssigkeit im Gewebe zurück und die Gefäßwände werden langfristig geschädigt.

2. Für ein vorgeschädigtes Lymphsystem, z. B. durch Fehlbildungen oder Entfernung von Lymphknoten, kann schon die normale Lymphlast zu viel sein.

In beiden Fällen kommt es zu einem Ödem. Das bedeutet, dass sich vermehrt eiweißreiche Flüssigkeit im Gewebe ansammelt und es so zu einer Weichteilschwellung kommt. Neben der sichtbaren Schwellung leiden Ödempatienten an Schmerzen durch den erhöhten Druck und Bewegungseinschränkungen. Zudem schädigt das Ödem die Haut. Die therapeutische Bandagierung entzieht der Haut zusätzlich Fett und Feuchtigkeit, sodass der natürliche Säureschutzmantel gestört ist und die Hautpartie anfällig für Infektionen ist. Dies wird dadurch verstärkt, dass der verminderte Lymphabfluss die Wundheilung verzögert.


Lymphdrainage

Um Ödeme zu behandeln, ist die Manuelle Lymphdrainage meist das Mittel der Wahl. Sie ist eine leichte Oberflächenmassage durch kreisförmige, Dreh-, Pump- und Schöpfgriffe mit wenig Druck. Der geringe Druck ist wichtig, da die Lymphgefäße recht nah an der Oberfläche liegen und deshalb leicht eingedrückt werden können, was den Lymphabfluss behindern würde. Die MLD schiebt die Lymphe nicht durch den Körper, sondern regt die eigenen Kontraktionen der Lymphgefäße an. Da die Lymphknoten tiefer liegen, ist hier mehr Druck zum Anregen nötig. Neben dem entstauenden Effekt wirkt MLD beruhigend und schmerzlindernd und hat einen positiven Effekt auf das Immunsystem. Egal wo sich das eigentliche Ödem befindet, die MLD beginnt immer am Hals und am Schlüsselbein. Hier befinden sich viele Lymphknoten und vor allem mündet das Lymphgefäßsystem hier in das venöse Blutsystem. Von da aus gehend wird über den Rumpf zum Ödem hingearbeitet, um den Weg zunächst frei zu machen. Der Großteil der Behandlung konzentriert sich auf die geschwollene Extremität. Zum Ende wird wieder bis zum Hals hochgearbeitet. Im Anschluss an die MLD ist i. d. R. eine Kompressionsbehandlung erforderlich, um einen Rückfluss des Ödems zu verhindern. Diese Kompression erfolgt entweder durch speziell angelegte Kompressionsbandagen, die zur Vermeidung von Druckstellen mit einer dünnen Schicht Watte unterpolstert werden, oder durch individuell angefertigte medizinische Kompressionsstrümpfe. Die MLD und die Kompression sind Teile der komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE).


Wann eine MLD angewendet werden kann und wann sie schadet:

  • Indikationen:

    • Nach Verletzungen (Bruch, Verstauchung, Bluterguss u. ä.)
    • Geschädigtes Lymphgefäßsystem (meist durch entfernte Lymphknoten wegen eines Tumors oder durch Strahlenschäden)
    • Nach Operationen
    • Morbus Sudeck (CRPS)
    • Wundheilung, Narbenbehandlung
    • Rheumatische Erkrankungen (mit Vorsicht bei Entzündungen!), Arthrose
    • Schwangerschaftsödeme
    • Karpaltunnelsyndrom
  • Kontraindikationen:

    • Erysipel (Wundrose)
    • Ausgeprägte oder dekompensierte Herzinsuffizienz
    • Bei arterieller Durchblutungsstörung keine Bandagierung
    • Bestimmte Tumore
    • Akute Entzündungen, Fieber
    • Akute tiefe Beinvenenthrombose, Thrombophlebitis (Entzündung oberflächlicher Venen)
    • Keine tiefe Bauchdrainage bei Schwangerschaft
    • Bei niedrigem Blutdruck mit kürzeren Behandlungszeiten beginnen

Das Wichtigste für Sie:

Die Wirksamkeit der MLD wurde in vielen Studien nachgewiesen. Beachtet man die Kontraindikationen, hat sie keine Nebenwirkungen. Durchgeführt wird sie von Physiotherapeuten mit einer speziellen Weiterbildung. Vom Arzt verordnet, trägt die Kosten für die Therapie Ihre Krankenkasse. Sie müssen lediglich die gesetzliche Zuzahlung leisten. Diese beträgt 10€ pro Rezept + 10% der Heilmittelkosten. Je nach Behandlungsdauer sind das 11,68-13,98€ (gilt für Ersatzkassen). Abhängig vom Umfang und Schweregrad des Ödems dauert die MLD 30, 45 oder 60 Minuten, die Bandagierung kommt ggf. hinzu. Ohne Rezept ist eine MLD nur als „Wohlfühlbehandlung“ möglich. Für therapeutische Behandlungen wird immer eine ärztliche Verordnung benötigt.


Wie Sie die Wirkung der Lymphdrainage unterstützen können:

  • Beobachten Sie Ihre Haut: Achten Sie auf kleine Verletzungen, wie Risse. Wegen des verlängerten Heilungsprozesses durch den gestörten Lymphabfluss kann es zu einer Infektion kommen. Schützen Sie sich bei allen Aktivitäten, z. B. mit Handschuhen bei Haus-, Garten- und Handwerksarbeiten. Vermeiden Sie parfümierte Wasch- und Pflegeprodukte, da diese die Haut reizen können. Ziehen Sie nach Möglichkeit pH-neutrale Produkte vor. Besonders bei einer Kompressionstherapie sollten Sie die Feuchtigkeitspflege der Haut ernst nehmen.
  • Bewegung ist wichtig für den Lymphabfluss. Die Kompressionsbehandlung ist nur mit ausreichender Bewegung effektiv, da die wiederkehrenden Kompressionen der Lymphgefäße zwischen der Muskulatur und der Bandage bzw. dem Strumpf den Lymphabfluss anregen.
  • Um neue Informationen zu erhalten und Erfahrungen austauschen zu können eignet sich eine Selbsthilfegruppe. Diese gibt es in vielen Städten.
  • Entgegen weit verbreitetem Glauben sind Diuretika (Entwässerungstabletten) kontraproduktiv. Sie entziehen dem Ödem Wasser, was zu einer erhöhten Eiweißkonzentration im Gewebe führt, die zum einen den Abtransport deutlich erschwert und zum anderen langfristig zu Schädigungen der Lymphgefäße führen kann.

Die manuelle Lymphdrainage ist eine äußerst wirkungsvolle Therapie. Besonders Patienten mit einem Herzleiden oder einer Minderfunktion der Nieren profitieren von ihr. Leiden Sie unter geschwollenen Beinen oder geschwollenen Armen sprechen Sie ihren Hausarzt ruhig mal auf die Möglichkeit einer durch Physiotherapeuten durchgeführten MLD an. Auf einen Versuch zur Verbesserung des Leidens sollten Sie nicht verzichten.


Interessieren Sie sich für klinische Studien?

Wenn Sie an einer chronischen Krankheit leiden, können Sie sich kostenlos bei Mondosano registrieren. Sie erhalten dann aktuelle Informationen zu neuen Studien in Ihrem Krankheitsgebiet und können sich bei möglicher Eignung von uns an eine passende Studie vermitteln lassen.

Finden Sie die passende klinische Studie für sich
Erfahren Sie mehr über chronische Krankheiten:

In unserem Krankheitsratgeber informieren wir Sie umfassend über Krankheiten sowie aktuellem aus der klinischen Forschung. Wir bieten Ihnen Informationen hinsichtlich der Symptome, Therapieansätze, Krankheitsverläufe sowie aktueller Ergebnisse aus der Forschung.

Diesen Artikel teilen


Quellenangaben

veröffentlicht am 28.05.2017 | verfasst vom Redaktionsteam