Neurodermitis – Welche Behandlungsmöglichkeiten können helfen?


Immer mehr Menschen leiden an Neurodermitis, vor allem Kinder. Was können Betroffene gegen die Hauterkrankung tun und wie kann man sich davor schützen? Mondosano sagt es Ihnen.


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Mutter mit Kind wegen Neurodermitis beim Arzt

Neurodermitis, auch als atopische Dermatitis bezeichnet, ist die häufigste Hauterkrankung bei Kindern, viele von ihnen sind auch im Erwachsenenalter noch betroffen. Die chronisch entzündliche Hauterkrankung zeichnet sich durch eine trockene, schuppende und gerötet Haut mit starkem Juckreiz aus, was für die Betroffenen sehr belastend sein kann.


Wie wird Neurodermitis erkannt?

Die Diagnose atopische Dermatitis wird anhand der typischen Symptome gestellt:

  • Trockene Haut
  • Schuppung
  • Rötung
  • Juckreiz

Eine familiäre Häufung der Hauterkrankung verstärkt den Verdacht. Falls erforderlich kann zusätzlich das Blut auf Entzündungszeichen und einen erhöhten Spiegel des Immunglobulins E (IgE) untersucht werden. Um die auslösenden Faktoren der Neurodermitis zu bestimmen eignet sich ein Allergietest.


Wie kann Neurodermitis behandelt werden?

Äußerliche Behandlung:

Als Basistherapie sind grundsätzlich rückfettende und feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte ratsam. Sie schonen die Haut und gleichen den Feuchtigkeitsmangel aus. Achten Sie aber auf seifenfreie und pH-neutrale Produkte.

Sehr effektiv können Salben mit Harnstoff sein. Er bindet die Feuchtigkeit in der Haut, wird aber nicht von jedem vertragen. Bei Kontakt mit entzündeter Haut kann es nämlich brennen, sodass diese Salben erst ab dem 5. Lebensjahr empfohlen werden.

Bei starken Beschwerden durch die Neurodermitis können sogenannte topische Glukokortikosteroide angewendet werden. Das sind kortisonhaltige Salben, die die Entzündung hemmen und dadurch auch den Juckreiz lindern. Kortison hat oft ein schlechtes Image, wegen seiner zahlreichen Nebenwirkungen. Wird es allerdings lokal über einen begrenzten Zeitraum angewendet, sind diese Nebenwirkungen nicht zu erwarten. Nach 6 Wochen Dauertherapie kann allerdings die Haut dünner werden, was die Neurodermitis verschlimmert. Achten Sie also unbedingt auf regelmäßige Therapiepausen!

Alternativ lindern auch teerhaltige Cremes und Salben die Entzündung. Ihre schwarze Farbe hat aber einen entsprechenden kosmetischen Nachteil.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist eine Bestrahlung mit UV-Licht. Sie hemmt die Entzündungszellen in der Haut. Diese Therapiemethode eignet sich aber erst für Kinder ab 12 Jahren. Alternativ kann eine Klimabehandlung infrage kommen. Dabei handelt es sich um einen Kuraufenthalt am Meer oder im Hochgebirge zur Verbesserung der Symptome.

Feuchte Umschläge, z. B. mit Schwarztee, können ebenfalls gut anschlagen.


Hand eincremen gegen Neurodermitis

Innerliche Behandlung:

Wenn die Salben nicht zu ausreichend Linderung verhelfen, können Tabletten eingesetzt werden:

Antihistaminika (antiallergische Tabletten) hemmen die Ausschüttung des entzündungsfördernden Botenstoffs Histamin. Sie führen meist nur zu einer mäßigen Linderung des Juckreizes.

In besonders schweren Fällen kommen deshalb kortisonhaltige Tabletten zum Einsatz. Sie dämpfen das gesamte Immunsystem und können deswegen teils erhebliche Nebenwirkungen haben. Aus diesem Grund eignen sie sich nur zur kurzzeitigen Behandlung, um einen akuten Schub zu behandeln.

Die positive Wirkung auf die Symptome der Neurodermitis durch alternativmedizinische Maßnahmen wie Homöopathie und Akupunktur konnte zwar bisher wissenschaftlich nicht belegt werden, viele Betroffene schwören dennoch darauf.


5 Tipps für den Alltag


1. Auslösende Faktoren vermeiden

Das Meiden der auslösenden Faktoren ist das A&O der Neurodermitis-Behandlung. Wenn Sie noch nicht wissen, welche Stoffe bei Ihnen Neurodermitis auslösen, können Sie einen Allergietest machen lassen und ein Ernährungstagebuch führen.

2. Richtig Ernähren

Mit der richtigen Ernährung können Sie viel erreichen. Eine ausgewogene Ernährung beugt Infekten vor, die Neurodermitis-Schübe auslösen können. Meiden Sie Alkohol und starke Gewürze, denn sie fördern die Durchblutung der Haut, was den Juckreiz verschlimmert. Auch schnell resorbierbare Zucker, wie in Süßigkeiten und Weißmehlprodukten, sollten Sie reduzieren, da er entzündliche Prozesse im Körper fördert. Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe können allergische Reaktionen auslösen. Greifen Sie also zu naturbelassenen Lebensmitteln und kochen möglichst viel frisch. Ansonsten sollten Sie nur die Lebensmittel meiden, die Sie wirklich nicht vertragen, um einer Mangelernährung vorzubeugen.

3. Sich Zeit nehmen

Planen Sie regelmäßige Pausen für Entspannung und Bewegung in ihrem Alltag ein, um psychischen Auslösern entgegen zu wirken.

4. Neurodermitis-Schulung

Um das komplexe Krankheitsbild mit seinen zahlreichen Auslösern zu verstehen, können Sie an einer speziellen Neurodermitis-Schulung teilnehmen. Solche Schulungen werden in spezialisierten Haut- oder Kinderarztpraxen sowie entsprechenden Kliniken angeboten.

5. Betroffenen Kindern helfen

Leiden kleine Kinder aufgrund von Neurodermitis unter starkem Juckreiz, sollte man versuchen sie durch Spielangebote oder Gute-Nacht-Geschichten abzulenken. Damit sie sich nachts nicht blutig kratzen kann es notwendig sein, ihnen zum Schlafen Handschuhe anzuziehen.


Kann man einer Neurodermitis-Erkrankung vorbeugen?

Zwar ist die genaue Ursache der Neurodermitis nicht ausreichend bekannt, allerdings weiß man, dass es familiäre Häufungen gibt. Kommt Neurodermitis also in einer Familie bereits vor, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um Neugeborene vor der Erkrankung zu schützen:

  • Stillen Sie Ihr Neugeborenes nach Möglichkeit mindestens vier bis sechs Monate lang.
  • Um die Toleranzentwicklung gegen bestimmte Lebensmittel zu fördern, soll Beikost schon im ersten Lebensjahr eingeführt werden. Besonders früher Fischkonsum gilt als schützend.
  • Setzen Sie das Neugeborene keinem Tabakrauch aus. Das gilt auch schon während der Schwangerschaft!
  • Selbstverständlich ist Hygiene wichtig, um uns vor Krankheiten zu schützen. Die zunehmende Reinlichkeit unserer Gesellschaft führt aber dazu, dass der Körper auch vor wichtigen Keimen „geschützt“ wird, die unser Immunsystem für seine Entwicklung braucht. Lassen Sie ihre Kinder also auch ruhig mal beim Spielen dreckig werden.
  • Besteht die Erkrankung bereits, sollten die Auslöser unbedingt gemieden werden, z. B. Nahrungsmittel, auf die man allergisch reagiert. Auch für Säuglinge gibt es spezielle allergenarme Nahrung.

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Quellenangaben
  • Abeck, D. (2011). Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin. 2. Auflage, Berlin Heidelberg: Springer. S. 19 ff.
  • Beise, U.; Heimes, S.; Schwarz, W. (2013). Gesundheits- und Krankheitslehre. 3. Auflage, Berlin Heidelberg: Springer: S. 289 f.
  • Werfel, T.; Schwerk, N.; Hansen, G.; Kapp, A. (2014). Diagnostik und Stufentherapie der Neurodermitis. Ärzteblatt, 111 (29-30), S. 509-520.

veröffentlicht am 18.05.2018 | verfasst vom Redaktionsteam