Inhaltsverzeichnis

    Diabetes mellitus Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Durch eine Autoimmunreaktion greift das Immunsystem körpereigene Zellen an und zwar diejenigen, die Insulin produzieren. Folglich kann die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin ausschütten, was zu einem chronisch erhöhten Blutzucker führt. Das macht sich durch ein extremes Durstgefühl mit entsprechend häufigem Harndrang, Müdigkeit und Kraftlosigkeit sowie Gewichtsverlust bemerkbar. Kurzfristig zu hohe oder zu niedrige Blutzuckerwerte können im schlimmsten Fall zum Koma führen und lebensbedrohlich sein. Außerdem schädigt ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel langfristig die Gefäße der Nieren, Augen und weiterer Organe.

    Wer erkrankt an Diabetes Typ 1?

    Grundsätzlich kann die Stoffwechselerkrankung in jedem Alter auftreten. Meist tritt sie aber zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr auf. Etwa 0,4% der deutschen Bevölkerung leidet an Diabetes Typ 1, die Hälfte von ihnen ist vor ihrem 20. Lebensjahr erkrankt. Demnach leiden derzeit etwa 21.000 bis 24.000 Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ 1. Er macht 90% aller Diabetesfälle bei Kindern und Jugendlichen aus, bei Erwachsenen sind es nur 5%.

    In der letzten Zeit steigt die Neuerkrankungsrate von Kindern und Jugendlichen dramatisch an – um 3-5% pro Jahr. Vor allem Kleinkinder sind immer häufiger betroffen. Dafür sind vermutlich veränderte Umweltfaktoren, die Ernährung im Säuglingsalter und andere Einflüsse auf das Immunsystem verantwortlich.

    Was ist Insulin?

    In den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse werden verschiedene Hormone produziert. Dafür sind 3 verschiedene Zelltypen verantwortlich. Etwa 80% von ihnen sind Beta-Zellen. Diese produzieren Insulin und geben es ins Blut ab. Dort transportiert das Insulin den Zucker zu den Zellen. Ungefähr die Hälfte des Insulins wird in der Leber benötigt, da sie eine große Rolle im Kohlenhydratstoffwechsel spielt. Die andere Hälfte gelangt über das Blut zum Muskel- und Fettgewebe, wo der transportierte Zucker in Energie umgewandelt wird.

    Was passiert beim Diabetes mellitus Typ 1?

    Diabetes mellitus Typ 1 gehört zu den Autoimmunerkrankungen. Was die Autoimmunreaktion auslöst, ist nicht genau bekannt. Vermutet wird ein Zusammenspiel aus einer genetischen Veranlagung, ungünstigen Umwelteinflüssen und bestimmten Infektionen. Ist ein eineiiger Zwilling erkrankt, hat sein Zwilling ein 50-70%iges Erkrankungsrisiko. Dass er also zu 30-50% nicht erkrankt, beweist den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Erkrankungsentstehung.

    Autoimmunreaktion bedeutet, dass das Immunsystem die Beta-Zellen der Langerhans-Inseln angreift, wodurch diese sich entzünden. Langfristig werden so immer mehr Zellen zerstört. Das mach sich zunächst gar nicht bemerkbar. Erst wenn nach Monaten oder sogar Jahren etwa 80% der Zellen zerstört sind, hat sich der Diabetes manifestiert. Durch die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen, fehlt es dem Körper an Insulin. Das führt wiederum dazu, dass sich zunehmend Zucker im Blut ansammelt und in den Zellen fehlt. Insulin muss jetzt durch Spritzen von außen zugeführt werden. Nur so kann der Blutzuckerspiegel wieder sinken, und der Zucker in den Zellen zu Energie umgewandelt werden. Um weder über- noch unterzuckert zu sein, müssen Betroffene mehrmals täglich ihren Blutzuckerwert messen und die Insulingabe an diesen Wert anpassen.

    Man unterscheidet 2 verschiedene Typen des Diabetes mellitus Typ 1. Der Typ A ist die bekannteste Form. Wie oben beschrieben, werden aufgrund einer Autoimmunreaktion die Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört.  Daneben gibt es auch den Typ B, den idiopathischen Typ-1-Diabetes. Auch hier werden die Beta-Zellen zerstört. Dafür gibt es jedoch keine immunogene Ursache. Dieser Typ ist in Europa sehr selten, er tritt eher bei Menschen afrikanischer oder asiatischer Abstammung auf.

    Was ist der Unterschied zu Diabetes mellitus Typ 2?

    An Diabetes mellitus Typ 2 erkranken hauptsächlich ältere  und übergewichtige Menschen. Etwa 10-15% der über 65-Jährigen sind betroffen. Die Erkrankungszahlen steigen derzeit dramatisch an, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Im Gegensatz zum Typ 1 liegt beim Typ 2 primär kein Insulinmangel, sondern eine Insulinresistenz vor. Insulin wird also produziert, ist an den Zielzellen aber wirkungslos, da es an den entsprechenden Rezeptoren nicht andocken kann. Um dies zu kompensieren, produzieren die Beta-Zellen zunächst vermehrt Insulin. Diese Überproduktion kann langfristig aber nicht aufrechterhalten werden, sodass es schließlich auch zu einem Sekretionsdefekt kommt.

    Quellenangaben

    • Diabetesinformationsdienst München (o. J.). Typ-1-Diabetes.
    • Hien, P.; Böhm, B.; Claudi-Böhm, S.; Krämer, C.; Kohlhas, K. (2013). Diabetes-Handbuch. 7. Auflage, Berlin Heidelberg: Springer, S. 18 ff.
    • IQWIG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2017). Diabetes Typ 1.
    • Piper, W. (2013). Innere Medizin. 2. Auflage, Berlin Heidelberg: Springer, S. 459 ff.
    • Prinz, C. (2012). Basiswissen Innere Medizin. Berlin Heidelberg: Springer, S. 291 ff.

    Das könnte Sie auch interessieren

    Diabetes Typ 1 oder Typ 2 – Wo ist der Unterschied?

    Unsere Empfehlung

    Diabetes Typ 1 oder Typ 2 – Wo ist der Unterschied?

    Jeder hat schon einmal von Diabetes gehört. Doch kennen Sie auch die unterschiedlichen Typen? Mondosano ist klärt Sie auf!

    Mehr erfahren
    Diabetes Symptome – Durst, Harndrang und Müdigkeit

    Unsere Empfehlung

    Diabetes Symptome – Durst, Harndrang und Müdigkeit

    Wichtig für die Einordnung der Symptome ist in erster Linie die Unterscheidung zwischen den Diabetestypen 1 und 2 – die Symptombilder unterscheiden sich gravierend. Mondosano hat Ihnen die wichtigsten Symptome zusammengetragen.

    Mehr erfahren
    Diabetes – Risikofaktoren und wie ich mich schützen kann

    Unsere Empfehlung

    Diabetes – Risikofaktoren und wie ich mich schützen kann

    Die drastische Zunahme der Diabetes-Neuerkrankungen in Deutschland (um 40% seit Beginn des Jahrhunderts) ist alarmierend. Der eigene Lebensstil hat dabei einen größeren Einfluss als Viele meinen.

    Mehr erfahren