MRSA – Die unsichtbare Gefahr im Krankenhaus


Immer mehr Antibiotika zeigen sich im Kampf gegen bakterielle Infektionen als wirkungslos. Schuld daran sind resistente Bakterien, die sich an aktuelle Antibiotika gewöhnt und Schutzmechanismen entwickelt haben. Am häufigsten finden sich diese Bakterien in Krankenhäusern, doch was tut die Forschung gegen diese Gefahr?


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MRSA, was ist das eigentlich?

MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Es handelt sich um Bakterien der Familie der Staphylokokken, welche gegen gängige Antibiotika Resistenzen gebildet haben, sodass sie mit diesen nicht mehr bekämpft werden können. Da die meisten MRSA-Stämme gegen mehrere Antibiotika-Gruppen resistent sind, ist auch die Bezeichnung  multiresistenter Staphylococcus aureus gängig.

Staphylokokken finden sich auf der Haut und den Schleimhäuten bei etwa 25-33% aller Menschen, ohne, dass diese bemerkt werden oder Probleme verursachen.


Welche Auswirkungen und Symptome hat MRSA?

In der Regel lösen MRSA-Keime beim gesunden Menschen keine Symptome aus. Problematisch wird es dann, wenn das Immunsystem des Patienten geschwächt ist und sich die MRSA-Keime ausbreiten können. In diesem Fall kommt es häufig zu Symptomen wie Hautentzündungen oder Muskelerkrankungen, sowie lebensbedrohlichen Krankheiten wie Lungenentzündungen oder  einer Sepsis (Blutvergiftung).


Warum ist MRSA so gefährlich?

Kommt es aufgrund eines geschwächten Immunsystems zu einer Vermehrung der MRSA-Keime bei einem Patienten, kann dieser nicht mit üblichen Antibiotika behandelt werden. Dies führt dazu, dass sich generell ungefährliche Infektionen zu lebensbedrohlichen Zuständen entwickeln können. Zwar gibt es sogenannte Reserveantibiotika, diese haben jedoch stärkere Nebenwirkungen, sodass ihre Anwendung nur in wirklichen Notfällen erfolgt.


Wie infiziere ich mich mit MRSA?

MRSA-Keime können von sogenannten MRSA-Trägern auf verschiedene Arten übertragen werden:

  • Direkter Kontakt mit dem MRSA-Träger durch z.B. Händeschütteln oder indirekt durch z.B. gemeinsam benutzte Handtücher.
  • Kontaminierte Oberflächen wie Badewannen, Duschen, Waschbecken etc.
  • Übertragung durch Medizinprodukte wie z.B. Stethoskopen beim Abhören von z.B. Herz oder Lunge des Patienten. Der Verbandswechsel ist ebenfalls eine Möglichkeit der Übertragung.

Was ist das MRSA-Screening?

Beim MRSA-Screening wird ein Patient auf MRSA-Keime getestet. Dies geschieht über Abstriche der Haut an verschiedenen Körperregionen. Ist das Ergebnis der Untersuchung positiv, d.h. beim Patienten wurden MRSA-Keime gefunden, wird dieser getrennt von anderen Patienten untergebracht, um eine Übertragung der Keime zu verhindern (Isolierung).

Das MRSA-Screening wird bereits seit 1999 vom Robert Koch Institut zur Prävention und Kontrolle von MRSA in Krankenhäusern empfohlen.


MRSA in Deutschland

In Deutschland gibt es jährlich 6.000 – 30.000 Tote aufgrund einer MRSA-Infektion.

Für Deutschland gibt es in Bezug auf MRSA-bedingte Todesfälle sehr unterschiedliche Zahlen. Diese reichen von 6.000 Todesfällen pro Jahr (Berliner Charité) bis hin zu 30.000 (Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene).

Das Bundesministerium für Gesundheit hat mit der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) einen 10 Punkte Plan ausgearbeitet, wie die MRSA-Keime bekämpft werden sollen. Weiterhin sind dort mehrere Ziele formuliert, um die Bedrohung durch MRSA und andere multiresistente Keime abzuwehren.


Welche multiresistente Keime gibt es neben MRSA?

Neben MRSA gibt es weitere multiresistente Erreger:

  • VRE: Dies steht für Vancomycin-resistente Enterokokken. Bei Vancomycin handelt es sich um ein sogenanntes Reserveantibiotikum.
  • ORSA: Das bedeutet Oxacillin-resistente Staphylococcus aureus. Oxacillin ist ein Standard-Antibiotikum gegen Staphylokokken.
  • ESBL: Dies steht für beta-Lactamasen mit breitem Wirkspektrum. Resistente Bakterien können mittels beta-Lactamasen Antibiotika wie z. B. Penicillin zerschneiden und somit unwirksam machen.
  • GRE: Das sind Glykopeptid-resistente Enterokokken, welche Resistenzen gegen Glykopeptid-Antibiotika entwickelt haben.

Weltweit betrachtet lagen die Todesfälle im Zusammenhang mit multiresistente Keimen im Jahr 2015 bei ca. 700.000.

“Bis zum Jahr 2050 werden die Todesfälle weltweit aufgrund multiresistenter Keime auf ca. 10 Millionen Fälle angestiegen sein.”Gemäß Forschern des Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité Berlin

Wie entstehen multiresistente Keime?

Multiresistente Keime können auf mehrere Wege entstehen. Die häufigsten sind im Folgendem aufgeführt:

  • Falsche Einnahme der Medikamente:
    Einnahme in zu geringer Dosis oder vorzeitiges Beenden der Antibiotika-Therapie führen dazu, dass Erreger teilweise überleben. Dies sind oft diejenigen, die bereits eine erhöhte Resistenz aufweisen, sodass sie sich vermehren können und die nächste Therapie erfolglos bleibt. Die Bakterien haben quasi die Möglichkeit sich sanft an das Antibiotikum zu gewöhnen.
  • Falsche Verwendung der Medikamente:
    Verwendung von Antibiotika bei Viruserkrankungen, wie z.B. der Grippe, obwohl diese bei Viren wirkungslos sind. Weiterhin werden dadurch schwächere Keime verdrängt, sodass sich stärkere Bakterien zügiger vermehren können. Den Bakterien wird die Möglichkeit gegeben, ihre Resistenz gegen das Antibiotikum zu trainieren.
  • Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung:
    Antibiotika werden in der Massentierhaltung dem Futter beigemischt, sodass der Mensch diese über die Nahrung ebenfalls aufnimmt. Die Antibiotika-Dosen sind zwar relativ gering, können aber ausreichend hoch sein, um schwächere Bakterien zu verdrängen, sodass stärkere sich besser vermehren können. Dies kann später eine eventuell notwendige Therapie erschweren oder sogar unmöglich machen. Auch in diesem Fall haben die Bakterien die Möglichkeit sich langsam an Antibiotika zu gewöhnen und so ihre Resistenzen zu trainieren.

Was tut die Forschung gegen multiresistente Keime?

Mit Hochdruck arbeiten Forscher weltweit daran neue Antibiotika gegen die gefährlichen, resistenten Keime zu finden. Wissenschaftler der Universität von East Anglia und des Forschungszentrums John Innes Center in England haben auf Ameisen in Kenia ein Bakterium entdeckt, welches ein Antibiotikum produziert. In Laborversuchen konnten mit diesem Antibiotikum Bakterien erfolgreich bekämpft werden, welche gegen bisherige Antibiotika bereits resistent sind.

Eine weitere Maßnahme ist die Verwendung von Antibiotika generell zu überdenken: Den Einsatz in der Massentierhaltung minimieren und die Dauer bei einer notwendigen Antibiotikumtherapie kritisch zu hinterfragen.

In den Jahren 2011 bis 2020 werden gemäß der forschenden Pharmaunternehmen ca. 18 neue Antibiotika zugelassen, um mit ihnen den Kampf gegen resistente Bakterien aufzunehmen. Eine Zahl, die nicht sonderlich hoch ist, aber hoffen lässt!


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Quellenangaben

veröffentlicht am 09.11.2017 | verfasst vom Redaktionsteam