Methotrexat – Ein Medikament mit zahlreichen Gesichtern


Für viele Rheumatiker, Schuppenflechte-Patienten und auch Krebspatienten ist Methotrexat (MTX) eine regelmäßige Therapie. Doch was ist dieses Medikament eigentlich? Wie wirkt es und was gibt es zu beachten? Ist es Fluch oder Segen für die Betroffenen?


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Behandlung mit Methotrexat

Was ist Methotrexat und wie wirkt es?

Methotrexat wird häufig mit MTX abgekürzt und ist ein Gegenspieler der Folsäure (Folsäureantagonist). Folsäure wird im Körper zu der aktiven und für den Körper verwertbaren Tetrahydrofolsäure umgewandelt, die dann wiederum in der Lage ist Zellen zu teilen, um die Zellfunktion in Gang zu bringen.

MTX hemmt die Zellteilung im Körper.

Schuppenflechte und Rheuma sind Autoimmunerkrankungen – Erkrankungen, bei denen der Körper gegen sich selbst arbeitet. Wird die Wirkung von Folsäure mittels MTX gehemmt findet keine bzw. eine eingeschränkte Zellteilung statt. Dadurch soll die fehlgeleitete Informationsweitergabe des Körpers blockiert werden.

Methotrexat ist darüber hinaus auch ein Medikament, dass das eigene Immunsystem schwächt (Immunsuppressivum). Dieses Schwächen ist gewollt und richtet sich gegen den Prozess „der Körper richtet sich gegen sich selbst“.


Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Kein Medikament ist ohne Nebenwirkungen. Sie können sich sicher gut vorstellen, dass wenn die Zellteilung gehemmt wird und das eigene Immunsystem geschwächt wird, es zwangsläufig zu mehr oder weniger starken Nebenwirkungen kommen kann. MTX ist ein zelltoxisches Medikament und kann dadurch folgende negative Wirkungen haben:

  • Nierenschädigend (Nephrotoxizität)
  • Leberschädigend (Hepatotoxizität)
  • Durchfälle (Diarrhoe)
  • Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis)
  • Haarausfall
  • Knochenmarkdepression (Verminderung der Knochenmarkfunktion)

Wie teuer ist Methotrexat?

Entscheidend für die Kosten von MTX ist die Darreichungsform und die Dosierung: Tabletten sind in aller Regel günstiger als Spritzen und höhere Dosierungen sind teurer als niedrigere Dosierungen.

Methotrexat-Tabletten mit einer Dosierung von 15mg kosten etwa 25€ (10 Tabletten). Die Spritzen sind um ein vielfaches teurer: 100 bis 250€ für 4 bis 10 Fertigspritzen mit einer Dosierung von 15mg.

Die genaue Dosierung hängt von der Diagnose ab und wird vom behandelnden Arzt festgelegt. In der Regel werden sowohl die Tabletten, als auch die Spritzen einmal wöchentlich verabreicht.

Die Kosten für Methotrexat werden von den Krankenkassen übernommen. Als Patient müssen Sie den Pflichtanteil der Selbstbeteiligung zahlen: Maximal 10% des Produktpreises.


Wo kann Methotrexat überall eingesetzt werden?

MTX wurde in den 40er Jahren auf den Markt gebracht, um eine Vielzahl von Krebserkrankungen zu therapieren. Bereits in den 60er Jahren wurde erkannt, dass sich MTX auch zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen eignet. Seitdem kommen immer wieder neue Behandlungsfelder als Indikationsfeld von Methotrexat hinzu.

  • Rheuma/ (Rheumatoide) Arthritis
  • Morbus crohn
  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Krebs

Die Dosierung von MTX ist bei Krebspatienten bedeutend höher angesetzt als beispielsweise bei Patienten mit einer Schuppenflechte. Bei Tumorpatienten ist das Medikament in der Lage, das Wachstum der Krebszellen zu reduzieren bzw. zu verlangsamen.


Erfahrungsberichte von MTX-Patienten

Immer wieder wird vor den Nebenwirkungen einer MTX-Therapie gewarnt. Sicherlich ist es sinnvoll eine Nutzen-Risiko-Abschätzung vor dem Beginn einer solchen Therapie zu machen. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass für viele Betroffene der Griff zu MTX die einzig verbleibende Chance ist eine Linderung ihrer Leiden zu erfahren.

Wir haben uns eine Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungsberichte zu Methotrexat angeschaut. Die meisten Patienten berichten von sehr ähnlichen Erfahrungen:

„Am Anfang der Einnahme war mir häufig tagelang übel und schlecht. Aber dagegen kann man was machen. Die gute Wirkung von MTX macht die Übelkeit allemal wett.“

„Mir hat MTX überhaupt gar nichts gebracht. Ich habe es rasch wieder abgesetzt.“

„Ich nehme seit Jahren Methotrexat in wechselnden Dosierungen. Die Nebenwirkungen sind mir zwar nicht egal, aber ich nehme sie gerne in Kauf. Mir hilft MTX wirklich sehr gut.“

„Ich habe von vielen nur schlechtes zu MTX gehört und habe deshalb die Spritzen recht zügig wieder abgesetzt.“

„Der Zustand ohne MTX ist schlimmer als der mit. Zwar nervt die Übelkeit wirklich sehr, aber was soll ich machen? Mir geht es mit MTX einfach besser.“

„Die Tabletten vertrage ich so gar nicht. Deshalb spritze ich MTX und damit komme ich wirklich gut zurecht.“

Viele Berichte in Bezug auf Erfahrungswerte mit MTX ähneln sich. Eines lässt sich aus den Kommentaren herauslesen: Jeder Körper ist anders und reagiert anders. Daher sollte jeder Patient gegebenenfalls MTX selbst ausprobieren, um sich eine Meinung darüber bilden zu können.


Wann darf Methotrexat nicht genommen werden?

Als absolute Gegenanzeigen für eine Methotrexat-Behandlung gelten folgende Punkte:

  • Eine ausgeprägte Funktionsstörung der Leber und/ oder Nieren
  • Erhöhter Alkoholkonsum
  • Schwere Infektionen
  • Ein stark geschwächtes Immunsystem

Es gibt eine ganze Liste an Erkrankungen und Gesundheitszuständen bei denen eine besondere Vorsicht in Hinblick auf eine Therapie mit Metothrexat geboten ist. In diesen Fällen wird eine sehr strenge Nutzen-Risiko-Analyse von den behandelnden Ärzten durchgeführt:

  • Diabetes
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Kardiomyopathie
  • Durchfall
  • Magenschleimhautentzündungen oder Magengeschwüre
  • Hepatitis
  • hohes Alter
  • gleichzeitiger Gebrauch von Schmermitteln wie Voltaren und Ibuprofen (NSAR)

Methotrexat kann ein Segen für sehr viele Betroffene sein. Die zu erwartenden Nebenwirkungen sind nicht klein zu reden und eine enge Kontrolle bei Ihrem Arzt wird zur Pflicht. Sollten Sie mit dem Gedanken spielen eine MTX-Therapie zu versuchen, dann besprechen Sie Ihre Bedenken und Sorgen ausführlich mit Ihrem Arzt.


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Quellenangaben

veröffentlicht am 17.08.2017 | verfasst vom Redaktionsteam