Für viele Menschen mit Diabetes steht eine bedeutende Veränderung bevor: Einige bekannte Insulinprodukte werden in den nächsten Jahren vom deutschen Markt verschwinden. Dies betrifft vor allem Humaninsuline und einige ältere Insulinanaloga. Was bedeutet das für Betroffene? Und warum ist ein frühzeitiger Wechsel zu neueren Insulinen empfohlen?
Welche Insuline sind betroffen?
Der Pharmakonzern Novo Nordisk hat angekündigt, mehrere seiner Insulinprodukte schrittweise aus dem Verkehr zu ziehen. Dazu gehören:
– Levemir (Insulin detemir)
– Actrapid (schnell wirkendes Humaninsulin)
– Actraphane (Mischinsulin)
– Protaphane (NPH-Insulin)
Der Rückzug erfolgt in zwei Stufen:
1. Ab dem zweiten Quartal 2025 bis Ende 2025 werden die Basalinsuline Levemir und Protaphane nicht mehr verfügbar sein.
2. Ab dem ersten Quartal 2026 bis Ende 2026 folgen die kurzwirksamen Humaninsuline Actrapid und die Mischinsuline Actraphane.
Auch der Hersteller Sanofi hat bereits 2023 angekündigt, seine Humaninsuline Insuman Basal, Rapid und Comb 25 vom Markt zu nehmen.
Warum werden diese Insuline zurückgezogen?
Die Hersteller begründen diesen Schritt mit dem Wunsch, den Einsatz moderner Therapien zu fördern. Es handelt sich um eine weltweite Anpassung des Angebots. Moderne Insulinanaloga bieten im Vergleich zu Humaninsulinen einige Vorteile:
– Bessere Blutzuckerkontrolle
– Geringeres Risiko für Unterzuckerungen
– Flexiblere Anwendung
Was bedeutet das für Diabetiker?
Etwa 10 Prozent der insulinpflichtigen Patienten in Deutschland – rund 240.000 Menschen – verwenden derzeit Humaninsuline. Sie müssen in den nächsten Jahren auf andere Insuline umgestellt werden.
Prof. Dr. Andreas Fritsche, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), beruhigt: “Es wird zu keinen Versorgungsengpässen mit Insulin an sich kommen, da es gute Alternativen zum Humaninsulin gibt.”
Empfehlung: Frühzeitiger Wechsel zu neueren Insulinen
Experten raten zu einem frühzeitigen Wechsel auf modernere Insuline. Dies hat mehrere Gründe:
1. Vermeidung von Engpässen: Je näher der Stichtag rückt, desto größer ist die Gefahr von Lieferengpässen.
2. Zeit zur Anpassung: Die Umstellung auf ein neues Insulin erfordert oft eine Anpassung der Dosis und des Spritzschemas. Ein frühzeitiger Wechsel gibt Patienten und Ärzten mehr Zeit, die optimale Einstellung zu finden.
3. Nutzung moderner Vorteile: Neuere Insuline bieten oft eine bessere Wirksamkeit und Verträglichkeit.
Wie erfolgt die Umstellung?
Die Umstellung sollte immer in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Mögliche Alternativen sind:
– Für Basalinsuline: Insulin glargin, Insulin degludec oder Insulin detemir
– Für kurzwirksame Insuline: Insulin lispro, Insulin aspart oder Insulin glulisin
– Für Mischinsuline: Fertigmischungen aus Insulinanaloga oder separate Gabe von Basis- und Mahlzeiteninsulin
Was müssen Patienten jetzt tun?
1. Informieren Sie sich: Prüfen Sie, ob Ihr aktuelles Insulin von der Marktrücknahme betroffen ist.
2. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Planen Sie frühzeitig einen Termin, um Ihre Therapie zu besprechen.
3. Bereiten Sie sich vor: Informieren Sie sich über mögliche Alternativen und deren Vor- und Nachteile.
4. Seien Sie geduldig: Die Umstellung kann einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die optimale Einstellung gefunden ist.
5. Überwachen Sie Ihren Blutzucker: In der Umstellungsphase ist eine engmaschige Kontrolle besonders wichtig.
Fazit
Die Marktrücknahme einiger Insuline bedeutet für viele Diabetiker eine Veränderung ihrer gewohnten Therapie. Mit guter Vorbereitung und ärztlicher Begleitung kann der Wechsel zu moderneren Insulinen jedoch reibungslos verlaufen und sogar Vorteile bringen. Wichtig ist, frühzeitig zu handeln und nicht bis zum letzten Moment zu warten.
Die Diabetesversorgung in Deutschland bleibt gesichert. Mit den verfügbaren Alternativen und der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Insulintherapien können Patienten weiterhin auf eine optimale Behandlung vertrauen.